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Interview Carina Lautenbacher:

AZ: Herr Schlegel, eine eigene Emanzipation und eine eigene Beratungspraxis, warum brauchen die Männer das?

Schlegel: Das Väter- und das Männerbild, das ich als Sozialpädagoge erlebt habe, ist erschreckend. Viele Frauen sagen, ihr Mann sei das dritte Kind in der Familie. Mein Buch heißt deswegen „Der Baby-Mann“.

 

AZ: Woher kommen diese „Baby-Männer“?

Schlegel: Die Emanzipation der Frauen in den 70er und 80er Jahren wurde ohne die Männer gemacht. Das ist ja auch gut so, aber später hätte man die Männer irgendwann ins Boot holen sollen. Stattdessen haben sie sich zurück genommen, sind quasi einen Schritt zurückgetreten. Und da hinten stehen sie heute noch, nur weiß das die neue Generation gar nicht mehr. Die Männer sind Softies geworden und jetzt haben sie kein Vorstellung mehr von Partnerschaft, von Streitkultur oder von der Erziehung der Kinder. Sie trauen sich gar nicht mehr, ein Vorbild zu sein

 

AZ: Und was ist die Konsequenz?

Schlegel: Den „Baby-Mann“ kann man nicht ein Leben lang durchziehen. Irgendwann führt das zu einem Bruch, und damit auch oft zu einem Bruch in der Partnerschaft.

 

AZ: Wie kann man diesen Männern helfen?

Schlegel: Ich will eine zweite Emanzipation einleiten, die der Männer. Sie soll sich von der ersten dadurch unterscheiden, dass sie mit den Frauen gemeinsam bewältigt wird.

 

AZ: Wohin soll diese Emanzipation führen?

Schlegel: Ich habe dem „Baby-Mann“ den „Krieger“ gegenübergestellt, aber natürlich nicht im martialischen Sinne. Der „Krieger“ soll sich ein wenig weg bewegen von der Frau und zwar emotional und auch rein physisch, wenn ich an die Männer denke, die ihre Frau unentwegt an der Hand halten wollen. Der „Baby-Mann“ ist ein Rockzipfel-Mann. Wenn sich das Ändert, wird es die Frauen entlasten. Der neue Mann muss einfach erwachsen werden und seine Männlichkeit entdecken.

 

AZ: Wie sieht diese Männlichkeit aus?

Schlegel: Der Mann muss ernster werden. Er soll nicht mehr so nett sein und auch mal Nein sagen. Viele Frauen beklagen, dass Männer ihre Meinung gar nicht sagen können. Also sollen die Wünsche und Bedürfnisse ausgesprochen werden. Keine Geheimnisse mehr. Die Frauen haben inzwischen gelernt zu sagen, was sie wollen. Jetzt sind die Männer dran.

 

AZ: Ich glaube aber nicht, dass das größte Problem der Frauen mit den Männern ist, dass sie alle die von ihnen beschrieben Softies sind.

Schlegel: Nein, der Softie ist sozusagen das Rollenvorbild, das infolge der Frauenemanzipation entstanden ist; besonders für die Generation der etwa 40-Jährigen, an die sich mein Buch vornehmlich wendet. Der „Krieger“ soll das neue Vorbild sein. Die Männer leiden so nur und wissen nicht, wie sie da raus kommen.

 

AZ: Also brauchen wir die Männeremanzipation, damit sich die Männer etwas besser fühlen können?

Schlegel: Nein, es geht um weit größere Missstände, die zu beheben sind, weil wir uns heute nicht mehr wehren, weil wir keinen Mut mehr haben zu Protest und dazu, unseren Kindern ein Vorbild zu sein. Die Kinder leben durch die diversen Medien in einer über die Maßen sexualisierten und von Gewaltdarstellungen geprägten Welt?

 

AZ: Das mag sein, aber was hat das mit der Männeremanzipation zu tun? Ist das nicht auch ein Problem für Frauen?

Schlegel: Diese gesellschaftlichen Missstände können natürlich nicht nur von Männern beseitigt werden. Aber um diese Probleme zu bewältigen, um mit ihnen zurecht zu kommen, braucht es intakte Familien. Die gibt es immer weniger, weil mit den „alten Männern“ die Familien nicht funktionieren. Die Männer haben keine Kompetenz in Partnerschaftsfragen. Das macht die Frauen unzufrieden.

 

AZ: Sind also an allen zerrütteten Familien die Männer schuld?

Schlegel: Die Männer sind daran in der Tat vorrangig schuld. Wobei Schuld vielleicht das falsche Wort ist. Es ist eher ihre Bewusstlosigkeit in dieser Situation. Am Ende führen die allein erziehenden Mütter ein elendes Leben und die Väter auch. Das muss sich einfach ändern. Für intakte Familien braucht es die neuen Männer. Der „Krieger“ muss und wird für die Frauen wieder interessant werden und damit für die Familie. Mit intakten Familien entsteht eine wehrhafte Gesellschaft, die das vorher erwähnte Problem bewältigen kann.

 

AZ: Was passiert, wenn die Männeremanzipation ausbleibt?

Schlegel: Ich habe eine riesengroße Angst, dass sich die Talfahrt der Familien fortsetzt und es immer mehr allein Erziehende und Patchwork Familien gibt. In meinem Beruf habe ich gesehen, was mit Kindern geschieht die in solchen Familien aufwachsen. Sie sind traumatisiert und die Schulen kommen bei dieser Entwicklung nicht mehr mit. Wir von der ambulanten Jugendhilfe sehen das jeden Tag.