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Das Buch: Leseproben

„Casino Royal“

Eine Männlichkeitsstudie“

Vorwort

Zwischen mir und diesem Film gibt es eine interessante Vorgeschichte. Nämlich die, dass ich ihn nicht ertragen konnte. Und letztlich, als ein Bond 007 sich immer tiefer verliebte, Liebeserklärungen machte und sogar seine Kündigung schrieb, um mit seiner Traumfrau für Wochen auszusteigen und herumzusegeln, spätestens da „musste“ ich die DVD ausschalten. Ich wollte einen Action-Held erleben und kein Verliebten. Ich protestierte und war enttäuscht. Nun gibt es aber 2 Bemerkungen dazu: Erstens: Schalten Sie den Film genau an dieser Stelle ab, so fehlen Ihnen die entscheidenden Szenen und Aussagen. Und zweitens, und darüber bin ich sehr froh, hat mich dieser 007 irgendwie irritiert, sodass ich den Film ein Paar Tage später wiederum ansah, und dann bis zu Ende. Bis heute habe ich ihn unzählige Male abgespielt und diesen Mann und seine Partnerinnen studiert.

Wie erkenne ich mich darin? Dass selbst ich, der quasi ständig Männlichkeitsforschung betreibt, diesen Quantensprung für die Männlichkeit nicht erkannte. Dass es selbst für mich zu neu, zu unerkannt, unerträglich war, und ich davonrennen musste, ähnlich wie manche Männer in meiner Männerberatungspraxis, die nach einigen Treffen plötzlich nicht mehr wiederkommen.

Es ist für mich eine reißen Überraschung, dass gerade jetzt dieses Männerbild vorgestellt wird. Zu einer Zeit, in der das Erscheinungsbild des Mannes nicht desolater und orientierungsloser sein könnte. Ist dies Zufall?
Was wäre gewesen, wenn dieser Craig schon vor 10 Jahren auf die Leinwand gekommen wäre? Wäre dies überhaupt möglich gewesen? Muss die Kontur des Mannes erst fast völlig aufgelöst sein, damit die Zeit reif ist, ein Gegenbild zu entwerfen?
Ich habe mir vorgestellt, es wird viele Jahre von mühseligen Bemühungen kosten, ein weiterentwickeltes und klares Bild des heutigen modernen Mannes zu entwerfen. Doch mit einem Sprung ist diese ganze Brücke übersprungen.
Es ist geradezu ein Politikum, dass dieser ganz andere Bond, dieses neue und extreme Bild eines „bewussten Mannes“, nun weltweit proklamiert wird. Als ein Angebot für eine breites gesellschaftliches Modell.
Ich bin völlig von den Socken, was sein literarischer Schöpfer Ian Fleming, der Regisseur Martin Campbell und alle Beteiligten mit größtem Feingefühl hier zustande gebracht haben.

Der Film besticht nicht durch seine Handlung – sie erscheint mir eher flach und zuerst schwer zu durchschauen. Oder durch die wilden Action-Szenen. Die Brutalität ist groß und entspricht unserem bildungsarmen und menschenunwürdigen Zeitgeist.
Der Wunsch, den Film immer und immer wieder anzusehen, entsteht durch eine Perfektion, die ins Staunen versetzt: Die Atmosphärengestaltung und Momentaufnahmen der einzelnen Szenen sind äußerst gelungen. Und die Bilder! - Der Film ist bildergewaltig.
Aber vor allem die brillanten Dialoge zwischen Mann und Frau, wo jedes Wort überrascht und (zu-) trifft, zwingen zu einem wiederholten Hörgenuss.

Dieser Film ist ein intensives Studium wert, mit seiner detailgenaue Darstellung eines neuen Typs von Mann: dem „Bewussten Mann“, dargestellt von Daniel Craig alias James Bond.

Hier trifft auch die starke und emanzipierte Frau von heute auf ein Männerbild, das sie wieder aufhorchen lässt. Die Frage, die sich viele Frauen heute resigniert stellen „Wozu noch Männer?“ ist geklärt. Der Film entwirft ein Bild der „doppelten Emanzipation“. Das bisher nicht existierende Bild des emanzipierten Mannes ist nun geschaffen. Wie dieses neue Zusammenspiel von Mann und Frau auch in einer Partnerschaft gelingen soll, dazu gibt dieser Streifen Auskunft.

 

Der Mann ist zurück.
Partnerschaften und ein Familiendasein können wieder glücken.
Und auch die Frau freut sich: Ihre persönliche Emanzipation kann nun weiterschreiten.

 

Kapitel: Bond und seine weiblichen Vorgesetzten

 

Casino Royal spiegelt unsere gesellschaftliche Gegenwart wieder: Die starke Zunahme von Frauen an Spitzenpositionen. Bond hat es gleich mit zwei davon zu tun: „M“ als die Vorgesetzte beim Geheimdienst, und Eva Green alias Vesper als Geldgeberin.

Das jeweils erste Zusammentreffen mit diesen Frauen ist fast immer ein Fiasko für Bond. Als emanzipierte Frau, mit der großen Klarheit einer Alpha-Persönlichkeit verpasst „M“ natürlich diesen Bond eine Abreibung, als er in ihre Wohnung einbricht. Das ist ihr Recht und sie verhält sich souverän, hart und fair. Sie wirft ihm Fehler vor bei der Erstürmung der Botschaft und rät ihm, sich aus dem Fall herauszuhalten und unterzutauchen – also zu verschwinden.

Auch Vesper macht gleich bei ihrer ersten Begegnung mit Craig im Zug unmissverständlich klar, wer das Sagen hat. Sie hält beim alles entscheidenden Show-Down die Macht in den Händen. Sie entscheidet ob Fortführung oder Abbruch. Nicht der Aktionheld, der sein Leben aufs Spiel setzt, bestimmt den Ausgang seiner Handlungen, sondern eine (weibliche) Obrigkeit. Somit ist der Held völlig kastriert. Ausgeliefert. An der Leine. Egal, wie stark er sich auch einsetzen wird.

Ständig muss Bond gegen einen weiblichen Unglauben ankämpfen. Sie gestehen ihm eigenständiges Denken nicht zu, oder eine richtige Handhabung seiner Emotionen. Sie trauen ihm nicht. Wiederum zeigt sich hier ein Spiegelbild unserer Gesellschaft heute. Überwiegend haben es heute starke Frauen mit schwachen Männern zu tun. Ehemänner werden oft nur noch als ein weiteres Kind in der Familie erlebt, was die Frauenwelt zutiefst frustriert. Viele Männer verlieren völlig an Respekt vor ihren Frauen, weil sie an Konturhaftigkeit immer mehr abnehmen. Klar, dass das Heer von starken Frauen, die durch eine jahrzehntelange Emanzipationsbewegung aufgerüstet wurden, immer mehr zu den Schaltzentralen vorwandern und viele Männer nur noch ein schwaches Bild abgeben. Klar somit auch, dass unserer heutigen Männerscheinung nichts mehr überlassen oder zugetraut wird.

Um sich treu zu bleiben, muss Craig sich immer widersetzen und auf eigene Faust recherchieren. Wiederum wird dies aber von der heutigen Frauenwelt nicht geduldet und so kommt es zur absoluten weiblichen Machtdemonstration:

Der großen Bond 007 wird an die Leine gelegt. Ihm wird ein Chip in den Unterarm eingepflanzt. Endlich die totale Kontrolle von „M“ über diesen widerspenstigen Bond. Er soll seinen Auftrag so ausführen, wie es seine weibliche Obrigkeit will.
Der menschliche Anspruch auf ein Sich-Selbst-Gehören, menschliche Autonomie und Freiheit wird gebrochen. Schachmatt der Freiheit. Totale Überwachung (M: „Wir finden sie überall“), der Mann an der Hundeleine, die Domestizierung. Diese Runde hat Bond verloren. Die weibliche Macht schlägt brutal zu. - So bekommen heute Straffällige Sender auf ihrem Freigang umgebunden.

Dies setzt sich auch bei anderen Begegnungen mit Frauen fort. Selbst da, wo Craig auf nicht weibliche Vorgesetzte trifft:
Szene im Beach-Hotel Rezeption. Die Frau an der Hotelrezeption gibt Bond den Ratschlag, besser keinen Kontakt mit einem möglicher weise gereizten Gegenspieler aufzunehmen und sich unerkannt zu verdrücken. Wieder ein Vorschlag einer Frau, sich klein zu machen. Würden Sie als Mann nicht doch lieber auf einen guten Ratschlag einer wirklich schönen Frau hören?

All diesen Widrigkeiten ausgesetzt, versucht Craig unermüdlich immer wieder, den Frauen sein Handeln mit Gesprächen zu erklären. Er will als Mensch respektiert werden und nicht als das Bond-Ungeheuer (Mann-Ungeheuer). Als ein Mann, der auch wohl überlegt, was er tut. Und dass dies Hand und Fuß hat. Er will Transparenz schaffen.
Doch alles nützt nichts. Es schafft kein größeres Vertrauen bei seinen weiblichen Gegenüber. Sie hören ihm nicht zu.
Szene in einem anderen Hotel. An der Rezeption gibt er sich beim Einchecken als Bond zur erkennen und versucht einer protestierenden Vesper dieses Outen zu erklären. Anstatt eines Verständnisses erntet er nur einen weiblichen Wutausbruch: „Es ist nicht genug Platz in diesem Fahrstuhl für mich und Ihr Ego!“ (Kennen Sie das?)
Szene beim Pokerspiel: Den ersten Show-Down hat Bond verloren. Auch hier versucht er Vesper zu erklären, dass sich dieser Verlust schon ausgezahlt hat.
Im weiteren Verlauf des Spiels glaubt Vesper nicht mehr an den Erfolg von Bond und entzieht ihm ein weiteres Spielgeld. Sie wirft ihm eigensinniges und leichtsinniges Verhalten vor, nur damit er sein eigenes „Ego“ pflegen könne. Bond wird so gezwungen, abzubrechen.

Die Frauenwelt heute scheint nicht mehr an die Männer zu glauben. Ein eigenes „Ego“ wird nicht mehr zugestanden.
Gut dass es in dieser Situation und auf dieser Welt auch noch andere Männer gibt, die diese Schwierigkeiten mit anderen Männern nicht haben. Ein amerikanischer Geheimagent, ein „Bruder“ im Geiste und Amt, springt Bond zur Seite, traut Bond den Erfolg zu. Nimmt ein gewisses verbleibendes Risiko auf sich (männliche Risikobereitschaft versus weibliches Risikobereitschaft) und finanziert ihn weiter.
Auch bei Bond Lebensmittelvergiftung sitzen bei dessen Lebensrettung nicht Frauen an der Funkstation, sondern wiederum „helfen nur Männer den Männern“. Ginge die Rettung schief, wäre der Verlust für die Frauen nicht ja nicht groß. Seinesgleichen sollen dem Manne helfen. „M“ ist in dieser Szene machtlos, kann in ihrer geschaffenen und distanzierten Position einem Mann nicht helfen.

Die Wende zeichnet sich erst mit der Reparatur des Herz-Wiederbelebungsgerätes durch Vesper ab, wodurch Bond überlebt. Sie ist an dessen Überleben interessiert. Sie hätte sonst nicht nachgeschaut, warum Bond verschwunden ist. Denn die Zusammenarbeit war ja mit ihrer Aufkündigung beendet, eine weiteres Zusammentreffen nicht nötig.

Durch diese Handlung zeichnet sich schon eine Versöhnung von Mann und Frau ab. Der Beginn einer Liebesbeziehung ist möglich.
Um im Film bei einer ausgeglichenen Gerechtigkeit zu bleiben, wird nun die Frauenwelt Schachmatt gesetzt.
Zentrale Szene:
Vesper muss im wahrsten Sinne des Wortes „einknicken“.
Die Macht der Gängelung Bond`s durch seine weiblichen Vorgesetzten ist gebrochen. Er hat wider aller weiblichen Erwartungen den Job erfolgreich abgeschlossen. Die voll emanzipierte Frauenseite gesteht jedoch ohne Neid Bond diesen Erfolg zu. Sie gratuliert, mit etwas Scham, Bond zu dessen unerwarteten Erfolg. Es findet eine körperliche Entschuldigungsbewegung statt: Die Partnerin legt ihren Kopf tiefer, bzw. quer auf Bonds Schulter. Im Tierreich ist die Senkung des Kopfes unter die Kopfhöhe des Gegenübers eine Demutshaltung. Die Partnerin hat die Größe, diesen verdienten Erfolg anzuerkennen und sich zu entschuldigen.

Wir beobachten zwei Vorgänge: Ohne Unterstützung seiner weiblichen Vorgesetzten und trotzt Mobbing verwirklicht Bond seine Vorstellungen, seinen Weg. Er bricht mit der Frauenwelt, seiner Partnerin Vesper, die ihm keine Unterstützung mehr zumünzt (Szene: „Du blöde Kuh!“). Er glaubt an sich und geht alleine weiter.

Die Frau muss zusehen, wie der Mann seinen Weg alleine geht. Ja sogar alleine gehen kann! Unabhängig von seiner Frau, oder irgendwelcher Mutterfigur in Partnerin oder Chefin. Der Mann ist unabhängig vom Weib.
Das macht allerdings die Frau wiederum völlig frei. Sie muss ihre ablehnende Handlung allein vor sich verantworten. Hier ist kein verschlungenes Entscheidungs-Techtelmechtel geschehen zwischen Mann und Frau, das verbogenen Handlungen zu Tage treten lässt. Beide vertrauten allein ihren eigenen Emotionen. Beide sind nun völlig voneinander getrennt, selbständig, Souveräne.

Die emanzipierte Frau hat danach die Größe zur Rückkehr, zur Anerkennung und Entschuldigung. Auch ihr fällt dafür kein Zacken aus ihrer Krone. Denn sie hat nach ihrem Ermessen bestmöglichst gehandelt. Bond selbst, voll emanzipiert, nimmt diese Entschuldigung an.

Diese Szene ist die Grundlage der späteren Liebesbeziehungen zwischen beiden. Nicht Mann noch Frau lassen sich wegen ihrem Partner in ihren Entscheidungen verbiegen. Das ermöglicht ihnen Freiheit und Respekt trotzt Liebesbeziehung. Damit ist aber auch die Grundlage dafür gelegt, bzw. die Notwendigkeit, sich um seinen Lebenspartner „bemühen zu müssen“. Ihm Aufmerksamkeit und immer wieder vollständigen Respekt gegenüber zu zollen. „Sich um den anderen bemühen“, dies kehrt nun vollkommen in die Partnerschaft ein – sonst ist er weg, geht seinen Weg; ob Mann oder Frau. Beide büßen ihm Laufe ihrer Partnerschaft nicht an Größe, Respekt, Sich-Selbst-Gehören ein. Die Liebe und Lebendigkeit bleibt.

Bei ungleichen Paaren wird dieses sich Bemühen-Um durch Machtspiele ersetzt. Eine Person ist im Besitz der anderen. Die Person, die wiederum mächtiger ist, braucht kaum eine Aufmerksamkeit gegenüber dem Anderen aufzubringen. Es läuft ja sowieso – in ihrem Sinne. Der Respekt nimmt, wie anschließend die Liebe auch, ab.