Liebe Leserschaft, verehrter Mann, verehrte Frau
Neues, Verwunderliches und Komisches zum Thema Mann/Frau
per E-Mail aus Italien,
denn hier verbringe ich derzeit meinen Frühlingsurlaub. An dieser Stelle möchte ich Sie sogleich bitten, etwaige Schreibfehler zu entschuldigen. Ich kämpfe mit einer italienischen Tastatur, die etwas ungewohnt ist und mit einem hier allgegenwärtig laufenden Fernseher. Nun ja, es ist zunächst schwer für mich und meine Frau Carola vom Alltag abzuschalten. Denn kümmerst du dich beruflich um das Thema Menschsein, so erblickst du heutzutage an jeder Ecke kuriose und leidvolle Verhaltensweise. Wie vorher am Strand, als das kleine Mädchen - ein Einzelkind - voll Wut der Mutter mit ihrem Schuh gegen ihre Fuß stieß. Die Mutter lies dies unbeantwortet, versuchte zu lächeln, leidete nur still vor sich hin, der Vater versuchte alles zu überspielen und mit dem Kind Gut-Wetter zu machen. Ich beschloss ein Buch über Kindererziehung zu schreiben. Das Erziehungswissen junger Eltern ist haarsträubend.
Aber eigentlich will ich ja über eine Kochsendung schreiben, die uns gleich auf unserer ersten Erholungssuche den Nerv raubt. Du kannst hier in Italien wohl keinen Cappuccino trinken, keine Pizza bestellen, ohne TV sehen zu müssen. Diese Kochsendungen, zu Zeit "der" Publikumsrenner auch in Deutschland. Warum denn nur? Carola und ich diskutieren: Weil zuhause kaum mehr jemand kocht. Im TV wird nun das "Zuhausegefühl nachgeholt", das Geborgenseingefühl, bekocht zu werden. Bei einer späteren Pizzabestellung läuft dann wieder so ein beliebtes Programm: eine Gerichtssendung. Carola und ich sind uns einig. Auch hier wieder ein Nachholen einer fehlenden Familienerfahrung: die Fähigkeit des Streitens miteinander, eine Kultur des Streitens wird nur noch im TV beobachtet. Zuhause ist ja niemand mehr. Oder sie sitzen alle vorm Fernseher (Übrigens - auch hier der Reichter: eine Frau). TV als Familienanschluss.
Doch zurück zur Kochsendung: Zwei Frauen wirbeln leidenschaftlich und gekonnt um die Herdplatten herum. Auch ein Mann ist zugegen, aber dessen Rolle ist mir unklar. Er wird von den Frauen pausenlos angesprochen, redet selbst aber kein einziges Wort. Er nickt nur ab, was die beiden Frauen sagen oder räumt das benutzte Geschirr ab. Er lässt 1 Meter Abstand zu den Frauen, diese wiederum arbeiten sehr eng aneinander. Das ganze gipfelt nun bei der Fertigstellung der Mahlzeit. Nicht der Mann, der eigentlich als Gast gehandelt wurde, bekommt das erste (ja auch später kein) Teststück des Essens, sondern die Frauen probieren sogleich selbst aus, was sie gekocht haben. Es wird immer offensichtlicher: der Mann scheint für die Frauen nicht anwesend zu sein. Mit vorhängenden Schultern reicht er dienend, schnell und freiwillig dann einer der Frauen eine Serviette, als diese sie benötigte.
Welch eine Figur gibt der Mann hier ab. Es tut richtig weh. Eigentlich war ich in Italien anders gewöhnt: Männer schmissen bisher die Talkrunden und schöne Frauen waren im Hintergrund zugegen, als Ausschmückung der Sendung. Doch im Unterschied zu dieser Kochsendung wurden diese noch beachtet, respektiert und hofiert. Unser Mann wird demütig abgefertigt.
Wir Männer sind vehement auf dem absteigenden Ast.
In meinen Urlauben lese ich gerne im SPIEGEL. Eine Buchvorstellung springt mir ins Auge: "Was von uns bleibt - Über die Unsterblichkeit der Seele". Doch ich musste unweigerlich denken: "Was bleibt noch von uns Männern?"
Und auf einer anderen SPIEGEL-Seite dann der unerwartete K.O. Schlag für mich: Auf einen SPIEGEL-SPEZIAL wird hingewiesen. Der Titel "Das starke Geschlecht - Was Frauen erfolgreich macht"
Au Mann, ich und viele andere Männerberater und männliche Autoren müssen jetzt ganz schnell in die Gänge kommen (Überall Frauen, Frauen - siehe Richterin...). Mann und Frau kommen mit nur weiblicher öffentlicher Präsenz nicht weiter, sondern triften immer weiter auseinander.
Mit Freude und Begeisterung möchte ich Sie nun auf folgende Neuigkeiten hinweisen:

Nun grüße ich Sie, als Mann, als Frau vielmals aus der Toskana!!
Möchte auch einen etwaigen wirren Schreibstile oder Fehler entschuldigen. Wie gesagt, es ist schwierig unter widrigen Musik- und TV-Bedingungen zu schreiben.
Ihr Thomas Schlegel
Archiv: